5 Fragen an: Saskia Esken (SPD)

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Saskia Esken, Jahrgang 1961, staatl. geprüfte Informatikerin, seit 2013 Mitglied des Deutschen Bundestages. Sie ist ordentl. Mitglied im Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung.

Netzpolitik verbindet Saskia Esken insbesondere mit bildungspolitischen Herausforderungen. Für sie muss Digitalisierung und Vernetzung zu einem Fortschritt im Sinne von Bildung und Aufklärung beitragen. Digitale Teilhabe dürfe daher nicht auf Netzneutralität beschränkt werden. 

1. Wann bzw. zu welchem Anlass kamen Sie mit Netzpolitik in Berührung?

In meiner Tätigkeit als Sekretärin an einem technischen Institut der Universität Stuttgart in den späten 1980er Jahren hatte ich im Umgang mit einem frühen Textverarbeitungssystem für wissenschaftliche Texte erstmals Berührung mit der IT. Die Maschine hat mich neugierig gemacht, und ich habe in einer dualen Ausbildung zur staatlich geprüften Informatikerin die Grundlagen gelegt für eine Tätigkeit in der Softwareentwicklung. Da in den 1990er Jahren in der IT-Branche die Bedingungen für die Vereinbarung von Familie und Beruf nicht gerade ideal waren, mussten mein Mann und ich – beide in der Branche tätig – nach der Geburt unserer Kinder eine Entscheidung treffen, und ich habe meine Berufstätigkeit zugunsten meiner Kinder aufgegeben. Ich würde das heute niemandem und insbesondere keiner Frau empfehlen …

Ich habe dann in zahlreichen ehrenamtlichen Tätigkeiten, vor allem in der Kommunalpolitik und in der Elternvertretung, in den folgenden Jahren die Möglichkeiten der  IT und der elektronischen Kommunikation, später auch der sozialen Netzwerke intensiv genutzt. Im Zusammenhang mit den Auswirkungen der Digitalisierung auf unser Bildungssystem, später auch mit  den Protesten gegen Handelsabkommen wie ACTA habe ich auch begonnen, mich mit der Netzpolitik zu beschäftigen.

2. Welches netzpolitische Thema liegt Ihnen besonders am Herzen, das Sie im #btADA verfolgen wollen?

Mir ist es besonders wichtig, dass wir die sogenannte digitale Spaltung nicht nur auf der Hardware-Ebene überwinden. Zu oft reden wir beim  Thema „Digitale Teilhabe“ nur über schnelles Internet in der ganzen Fläche des Landes. Doch selbst eine flächendeckende Versorgung mit den entsprechenden Endgeräten in jedem Haushalt brächte nur denen Teilhabe an den Chancen des Netzes für Wissen, Bildung und Beteiligung, die mit der Technik, mit der Struktur und den Informationen auch umgehen können. Es braucht also eine Bildungsinitiative für Medien- und Informationskompetenz, die soziale und Bildungsgrenzen, aber auch Generationengrenzen überwinden hilft.

Außerdem wünsche ich mir, dass die Arbeit der Internet-Enquetekommission nicht nur inhaltlich umgesetzt und fortgeführt wird, sondern dass ihre guten Ansätze sich auch auf die Transparenz und Beteiligung an der Arbeit  im Ausschuss Digitale Agenda und darüber hinaus im Bundestag auswirken.

3. Warum muss Netzpolitik raus aus der Nische?

Das Netz hat mittlerweile Einfluss auf nahezu alle Lebens- und Politikbereiche und hat sich damit längst selbst aus dieser Nische herauskatapultiert. Ich halte den ressortübergreifenden Ansatz der Digitalen Agenda der Bundesregierung und der Digitalen Agenda des Bundestags in unserem Ausschuss deshalb für genau richtig.

4. Wer muss noch davon überzeugt werden, dass die Digitale Agenda auf die Große Agenda gehört, dass das Thema also von allgemeiner gesellschaftspolitischer Relevanz ist?

Die Digitale Agenda muss in den Bildungsplänen der Schulen, in der Lehrerbildung und damit hoffentlich auch im Alltag von Bildungseinrichtungen ebenso ankommen wie auf allen Ebenen von Politik und öffentlicher Verwaltung.

5. Welche Ergebnisse wünschen Sie sich bis zum Ende der Legislaturperiode? Was sollte der Ausschuss in jedem Fall erreichen?

Ich will mich mit meinen SPD-KollegInnen im Ausschuss dafür einsetzen, dass Digitalisierung und Vernetzung für die Menschen einen Fortschritt  im Sinne von Bildung und Aufklärung, Freiheit und Demokratisierung sowie wirtschaftlichen Wohlstand erbringt. Dazu müssen die Menschen und die Institutionen befähigt und die notwendigen Regeln und Grenzen für wirtschaftliche Interessen und staatliche Sicherheitsbedürfnisse erstellt und auch international ausgehandelt werden.

Bild: © SPD Parteivorstand / Susie Knoll / Florian Jaenicke

Buch-Cover von Marina Weisband

Nicolas Krotz

Nicolas Krotz studierte Politikwissenschaften (M.A.). Seit Oktober 2013 ist er Promovend an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder) und schreibt an seiner Dissertation über die Europäische Union. Kontakt: nkrotz(at)politik-digital.de

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